Religionsgemeinschaft des Islam
Landesverband Baden-Württemberg e.V.

 

Unsere Themen: Islam - Interreligiöser Dialog - Projekte - Informationen über Muslime in Deutschland/Baden-Württemberg

 
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Leben und Glauben der Muslima in der BRD 

Inhalt:

  1. Zum Thema  
  2. Situation und Wandel  
  3. Islamischer Glaube und das Verhältnis von Religion und moderner Gesellschaft  
  4. Koran und Hadis zu Frau und Mann  
  5. Christlich-muslimische Ehen  
  6. Schlussbemerkungen  
  Literaturverweis  

Sowohl im christlich-islamischen wie auch im innerislamischen Dialog wurde dieses Referat schon vielfach zu Gehör gebracht und hat breiten Anklang gefunden.  Bei Erwachsenenbildungseinrichtungen, an VHS, bei Seminaren für Lehrer- und Lehrerinnen- Fortbildungen und dergleichen wurde wird dieser Vortrag gehalten wie auch im Rahmen der interdisziplinären Tage "Muslime unter uns - Miteinander von Christen und Muslimen?" an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg am 22. November 2000. (Doku.: Augsburger Schriften zu Theologie und Philosophie: Islam und Christentum Religion im Gespräch, Klaus Kienzler, Gerda Riedl, Markus Schiefer Ferrari, Hrsg., ISBN 3-8258-5569-4)   

1. Zum Thema

“Leben und Glauben der Muslima in der BRD” - Das Rollenverständnis, die Beziehung von Mann und Frau, Gleichberechtigung sind in etwa die Fragenstellungen, die gemeinhin in einem Thema impliziert sind, das auf diese Weise geschlechterbezogen formuliert ist.

zum Anfang

2. Situation und Wandel

Seit den 70-er Jahren, als auf dem Wege des Familiennachzugs türkische Frauen hierher kamen, stellen sie ein vermeintliches Problem in Sachen Gleichberechtigung und Emanzipation dar. Denn das, was man gerade überwunden glaubte, kam auf einmal in Form der hinteranatolischen, muslimischen Frau daher. Ihr äußeres Erscheinungsbild - sprich Kopftuch - bewies das ja schon, diese unterwürfige Nichtperson, die drei Schritte hinter ihrem Mann herläuft und die schweren Einkaufstaschen schleppt.
Bevormundet von Ehemann und ihren Söhnen fristet sie seitdem ihr Dasein eingesperrt in der ehelichen Wohnung, wo vielleicht auch noch eine herrische Schwiegermutter da ist, die sie schikaniert.     
 
Als die muslimischen Frauen ab den 70-er Jahre hierher kamen, hatten sie in der Tat viele Probleme. Sie litten unter Minderwertigkeitskomplexen, Heimweh, sozialer Isolation, Unakzeptanz durch die Gesellschaft.
Es gab keine Sprachkurse und auch keine anderen Hilfen, die sie auf das Leben in der Migration und in dieser Gesellschaft vorbereiteten.
Da sie zumeist aus unterentwickelten Gegenden kamen, waren viele von ihnen Analphabetinnen Das erschwerte ihnen neben der Isolation zusätzlich das Deutschlernen. Wenn man als Kind nicht gewohnt ist zu lernen, ist das als Erwachsener noch schwerer.
Mit der Zeit durch Zuzug anderer Familien, konnten sie nach und nach gewisse Kontakte aufbauen und ihre Isolation durchbrechen. Auch dadurch, dass sie anfingen zu arbeiten. Zumeist blieben ihnen aber nur minderwertige Putzjobs.
Ihren Kindern konnten sie nichts geben, ihnen nicht bei den Hausaufgaben helfen. Auch wegen ihrer Unwissenheit in ihrer eigenen Religion konnten sie ihren Kindern keine angemessene Erziehung angedeihen lassen und die Fragen der Kinder in Dingen der Religion und Kultur - wieso weshalb warum - nicht beantworten. Konflikte waren vorprogrammiert. Und am meisten litten die Töchter darunter, weil an ihnen vermeintlich alles vorbeiging. Deutsche Mädchen könnten und würden sich alles erlauben, sie jedoch wären eingezwängt, auch als ihnen ihre Eltern alles erlaubten und ihnen alle Freiheiten ließen.

Heute gibt es gewisse Gewöhnungseffekte und eine gewisse Anpassung hat stattgefunden. Durch Aufbau einer kulturell-religiösen Infrastruktur an islamischen Gemeinden und Moscheen  haben Einzelne besseren Halt gefunden. Man ist souveräner geworden und nimmt das Positive beider Seiten wahr und man schätzt beides. Seitens der Mehrheitsgesellschaft ist die Entwicklung zu mehr Anerkennung für ihre Religion und Kultur sicherlich der Weg um ihr Zugehörigkeitsgefühl zu dieser Gesellschaft zu stärken.

Da die Leute, bewusst oder unbewusst sich immer auf Religion berufen, ist es notwendig, dass sich beide Seiten mit Islam auseinander setzen. Vor allem muss man den Muslimen helfen ihren Glauben besser kennen zu lernen. Ein tiefer Blick in die Glaubensdinge würde die meisten Scheinkonflikte und Potentiale reduzieren. Daher möchte ich hier nicht die vielfältigen Probleme der muslimischen Frauen beschreiben, sondern mich bemühen etwas beitragen, um Muslime wie Nichtmuslime über Islam aufzuklären. Denn der Hauptkonfliktpunkt scheint stets Religion zu sein. Religion hält her als Alibi für persönliche Unfähigkeit,  für das Scheitern im Umgang mit Menschen und vielem mehr ....

Doch wenn man genau hinschaut, lösen sich die angeblich religiösen Gründe in Nichts auf. Machen wir also einen Sprung zu der Religion und dem Glauben, mit dem die muslimische Frau hierher gekommen ist und dem sie angehört.

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3. Islamischer Glaube und das Verhältnis von Religion und moderner Gesellschaft

Das ein und alles im Islam ist der Glaube an den Einen Gott. Das wird schon in der Bedeutung des Wortes “Islam” offensichtlich: Islam bedeutet Gottergebenheit, Hingabe an den einen Gott, Frieden, Gebet, Sicherheit, ....

Gott sagt über den Grund der Erschaffung des Universums:

“Ich war ein verborgener Schatz und wollte bekannt werden. Und ich erschuf das All...”

(el-acluni, Keschfül-Hafa, Hadis kudsi)

Außerdem besagt ein Koranvers:

Ich habe die Menschen und die Dschinn nur geschaffen, damit sie Mich erkennen und anbeten. (Sure 51, 56)

Seinserfüllung in der Erkenntnis und Anerkennung Gottes - auf dieses weisen Koranvers und Hadis kudsi hin. Aus der Erkenntnis Gottes erwächst Dankbarkeit und Liebe gegenüber dem einen Gott, wobei die Liebe zum Mitmenschen die Grundlage der wahrhaften Dankbarkeit zu Gott bildet. So schließt sich der Kreis.

Glaube - Gebet - Ethik sind die Bereiche, die Religion umfasst. Religion ist nach Islam Ratschlag Gottes an die denkenden Menschen. Über allem steht das Prinzip der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Die Welt ist ein Ort der Prüfung, wofür Freiheit die fundamentale Voraussetzung und Glaubensbedingung ist.

Im Koran heißt es:

“O ihr Menschen! Wir haben euch als Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Gott der, der unter euch der Gerechteste ist.” Sure 49, 13

In dieser Gesellschaft hat sich die These oder Vorstellung verbreitet von wegen “Den Islam gibt es nicht.” Damit wollte man in gut gemeinter Weise auf ein differenziertes Wahrnehmen des Islam und der Muslime hinarbeiten.

Vom islamischem Selbstverständnis her aber,  wie ich es Ihnen nun ganz kurz umrissen habe, ist zu sagen:

Es gibt nur einen Islam, aber dieser ist nicht gekommen um die Menschen zu uniformieren - sondern um sie zum Glauben, zur Erkenntnis des einen Gottes zu führen, um Liebe, Respekt, Barmherzigkeitsempfinden und Gerechtigkeit für die Menschen zu bringen. Was die einzelnen Völker davon verinnerlicht haben, welche Traditionen und Sitten sich mehr oder weniger aufgrund der Religion ausgeprägt haben, ist so vielfältig wie es Völker und Menschen gibt.
Das ist abhängig von vielen Faktoren, von den Lebensumständen, den ökologischen und ökonomischen Gegebenheiten, von politischen Verhältnissen, vom Bildungsstand, der jeweils eigenen Religiosität und vielem mehr.
Nach außen hin präsentieren sich uns diese Unterschiede z.B. in der Architektur, der Mentalität, der jeweiligen Kultur ...

Wie sich die Muslime und ihr Leben hierzulande und in Europa in ihrer Eigenständigkeit entwickeln und sich das dann nach außen hin präsentiert, wird auch ganz anders sein wie z.B. in Saudi Arabien oder Ägypten oder der Türkei. Ganz sicher werden wir hier nie saudiarabische Verhältnisse haben.   Es ist und wird ein ‘Deutscher bzw. Europäischer Islam’ sein (, wenn man sich hierbei dieser Schlagwörter bedienen möchte.)                

Religion und Tradition sind verschiedene Dinge. Es gibt Sitten, Traditionen, Gewohnheiten, die man mit Religion rechtfertigt. Dabei kann es auch einiges geben, das im Widerspruch zur Religion praktiziert wird. Sitten, Traditionen, Rollenbilder, Aufgabenteilungen ändern sich. Das ist wiederum abhängig von den Lebensumständen und vielen Gegebenheiten und nicht zuletzt vom Bedarf in der Gesellschaft.

Religion liefert selbstverständlich einen Rahmen, einen ethischen Maßstab (z.B. gegenseitiger Respekt, Respekt und Liebe der Kinder gegenüber den Eltern , ...) Sie führt den Menschen ein Ideal vor. Die Gesellschaft ist ständig im Wandel zur modernen Gesellschaft. Bedarfs- und Zielformulierungen zur Weiterentwicklung, der beste Weg dorthin muss gefunden werden. Was die Religion dabei anbetrifft, so steht Religion und moderne Gesellschaft bzw. der Bedarf einer modernen Gesellschaft nicht im Widerspruch.

Für eine humane, zivilisierte, gerechte, soziale Gesellschaft sind ethische Werte und Religion, die motiviert sie anzuwenden, unentbehrlich. Dabei kann es niemals sein, dass wahre Religion die Unterdrückung oder Benachteiligung des einen oder anderen Geschlechts propagiert.

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4. Koran und Hadis zu Frau und Mann

a)           

Als Muhammed a.s. den Islam verkündete, tat er das in einer Zeit und in einer Gesellschaft am Abgrund. Es galt das Recht des Stärkeren. Ein Individuum, eine einzelne Person, hatte überhaupt keine Überlebenschance, wenn sie keinen Stammesschutz genießen konnte. Die Schwachen, zu denen bekanntlich die Frauen, die Armen und Waisen gehören, waren rechtlos.
Die vorislamischen Araber gestanden zudem der Persönlichkeit der Frau eine geringere Bedeutung zu als der des Mannes. Das ging so weit, dass bei der Ermordung keine Vergeltung geübt werden konnte, wenn der Mann der Schuldige und die Frau das Opfer war.
Bei manchen Stämmen war es sogar üblich, neugeborene Mädchen aus Scham, weil es kein Junge war oder weil man sie einfach nicht durchfüttern wollte, lebendig im Wüstensand zu vergraben. Die Frau hatte keinerlei Schutz, wenn sie keiner reichen, adligen oder privilegierten Familie angehörte.

In diese Zeit hinein kommt nun ein Mann, der einen Koran verkündet, der diese Ungleichheit aufhebt, und Vergehen gegen Frauen auf die gleiche Ebene stellt wie Vergehen gegen Männer, wenn es sich um die Person, das Vermögen oder die Ehre handelt. Man kann sogar sagen, dass man noch mehr bedacht war auf die Sicherung der Rechte der Frauen, um Missständen und ihrer Benachteiligung entgegenzuwirken.

Die folgenden Koranverse und Hadise (=Aussagen Muhammeds a.s.) zeigen die Ebenbürtigkeit von Frau und Mann, ihre Gleichgestelltheit und Gleichwertigkeit. (Eine Wertigkeit ergibt sich bei Gott nur hinsichtlich der Frömmigkeit.)

Sure 3 Vers 195:
.... Ich lasse das Tun desjenigen unter euch, der Gutes tut, gewiss nicht verloren gehen, sei es Mann oder Frau. Die einen von euch sind von den anderen.  
Sure 9 Vers 71:
Und die gläubigen Männer und Frauen sind einer des anderen Freund, sie halten an zum guten und raten ab vom Schlechten...
Sure 2, 187:
Die Frauen sind euch ein Gewand und ihr seid ihnen ein Gewand.
 
Hadise hierzu:
„Zweifellos sind die Frauen ihresgleichen wie die Männer und auf gleicher Ebene.“
„Frauen und Männer, alle Gläubigen sind Geschwister. Eines unterscheidet sich vom anderen nur in seiner Frömmigkeit. Ansonsten ist keines dem anderen höhergestellt.“
„Frauen, Männer und alle Menschen sind so gleich wie die Zähne eines Kammes.“

b)

Im Islam wird die Auffassung abgelehnt, dass Adam von Eva verführt wurde und deshalb das Paradies verlassen musste. Es besteht keine einseitige Schuldzuweisung. Beide haben sich gegenseitig verführt. Beide wurden zusammen vertrieben. Beide baten Gott um Vergebung und Gott hat beiden vergeben. Zur Erschaffung des Menschen äußert sich der Koran auch ganz geschlechtsneutral:

Sure 4 Vers 1:
Ihr Menschen! Fürchtet euren Herrn, der euch aus einem einzigen Wesen geschaffen hat, und aus ihm das ihm entsprechende andere Wesen, und der aus ihnen beiden viele Männer und Frauen hat sich (über die Erde) ausbreiten lassen! ...

c)

Weitere Aussagen und Mahnungen Muhammeds a.s. für ein gutes Verhalten gegenüber den Frauen und Töchtern und bezüglich der Einhaltung ihrer Rechte:

„In Bescherung und Zuwendung behandelt eure Kinder gleich. Wenn ich eines bevorzugt hätte, dann hätte ich die Töchter bevorzugt.“

  „In der Einhaltung der Rechte eurer Frauen fürchtet euch vor Gott. Sie sind euch von Gott anvertraut und ihr habt sie in Gottes Namen angenommen.“

  „Der Beste unter euch ist derjenige, der am Besten zu seiner Frau ist.“

  „Wer zwei Töchter bis zu ihrer Pubertät ernährt und aufzieht, mit dem werde ich beim Jüngsten Gericht so sein.“ (Muhammed a.s. zeigte seine zwei Finger zusammenhaltend)

  (ein ähnlicher Hadis:)
„Wenn jemand drei Töchter (bzw. zwei, bzw. eine) bekommt und sie aufzieht bis sie seiner Hilfe nicht mehr bedürfen, und sie ernährt und gütig behandelt, verpflichtet Gott das Paradies für diese Person, falls er keine große Sünde begangen hat. ......“

In einer Sitzung kam der Sohn eines Mannes. Der Mann gab ihm einen Kuss und setzte ihn auf seinen Schoß. Kurz darauf kam seine Tochter. Diese ließ er, ohne ihr einen Kuss zu geben, vor sich hinsitzen. Daraufhin hat Muhammed a.s. ihn geschmäht und gesagt: "Du behandelst sie nicht gleich."

  „Das Beste, das einem Mann in dieser Welt zustoßen kann, ist eine gute Gattin.“

  „Wem Gott eine gute Gattin bestimmt hat, dem hat er eine gute Stütze für sein Leben und die Hälfte seiner Religion bewahrt. Die andere Hälfte soll er durch seinen Einsatz schützen und Gott fürchten.“

  „Die Frau ist das größte Geschenk Gottes. Fürchtet euch vor Gott. Quält sie nicht, unterdrückt und vernachlässigt sie nicht.“

  „Die Frau ist wie eine Rippe. Wenn du sie gerade biegen willst, zerbricht sie.“

  „Wehe dem, der nach Hause kommt, und seine Frau und Familie sich nicht freut. (d.h. wenn aus Furcht und Angst vor dem Mann sich die Familie nicht freut.)“

  „Ich überlasse euch zwei Schwache: Es sind die Frau und die Waise. Und ich warne euch vor der Übertretung ihrer Rechte.“

In diesen Aussagen ist der Blick weg von der Gesellschaft zur Verantwortung des Einzelnen gerichtet. Es ist das Gewissen des Einzelnen angesprochen, denn wie es so schön heißt ist der Thron und Sitz der Religion das Gewissen.  Und hier ist vor allem das Gewissen des einzelnen Mannes als Vater und Ehemann angesprochen.

Dazu eine weitere Stelle aus dem Koran, die die Verantwortung des Mannes gegenüber der Frau in Ehe und Partnerschaft thematisiert und woraus wir auch gewisse Unterschiede in den Verantwortlichkeiten von Mann und Frau ersehen können:

d)

Sure 4, 34

Die Männer stehen für die Frauen ein (die Männer sind Beschützer und Interessenvertreter der Frauen), da Gott einen Teil der Menschen über den anderen gestellt hat, und sie geben von ihrem Vermögen für die Frauen und Kinder aus.
Die aufrichtigen Frauen respektieren die Gebote Gottes und beachten die Rechte ihrer Männer. Wie Gott ihre Rechte wahrt, wahren sie das Vermögen ihrer Männer und die Geheimnisse (und ihre Ehre) in ihrer Abwesenheit.
Wenn sie (d.h. die Ehemänner) sich vor dem Verrat der Frau fürchten, erteilt in Güte Ratschläge.
Wenn das nichts nützt lasset sie allein in ihren Betten, wenn das auch nichts nützt, weist sie entschieden zurecht.
Wenn sie einlenken, dann sucht keine Vorwände, um sie zu verletzen oder zu kränken.
Gott ist allmächtig und erhaben.

Zu den einzelnen Aussagen dieser Koranstelle:

Da die Männer nun mal das körperlich stärkere Geschlecht sind, kommt ihnen schon von Natur her die Rolle des Beschützers der Frau zu und die des Interessenvertreters. Das ist eine Pflicht, die der Islam den Männern auferlegt, dass sie in jeder Hinsicht für die Belange und das Wohl der Frauen einstehen und sich einsetzen.

Das heißt: Es gilt nicht das Recht des Stärkeren.

Das Grundprinzip des Islam und des Korans ist, dass der Stärkere oder auch Machthabende dies nicht missbrauchen soll, sondern seine Vorzüge und Stärke für die Unterstützung der Schwächeren, für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen hat.

Weiter finden wir in den Korankommentaren folgende Erläuterungen:

Mann und Frau sind nicht identisch. Zwischen ihnen gibt es Wesensunterschiede. Diese Ungleichheit besteht auch untereinander. Die Männer sind untereinander ungleich und die Frauen sind untereinander nicht gleich. Es gibt Frauen, die den Männern überlegen sind, und es gibt Männer, die den Frauen überlegen sind. Jeder Mensch ist ein Individuum und unterscheidet sich vom anderen.
In den Eigenschaften kann ein Mensch in bestimmter Hinsicht Vorzüge haben. Ein anderer hat wiederum in einer anderen Hinsicht Vorzüge.
Diesbezüglich mahnt uns Vers 4, 32: Und wünscht euch nicht das, womit Gott die einen vor euch vor den anderen bevorzugt hat.
Die Frauen besitzen Vorzüge gegenüber den Männern und die Männer besitzen Vorzüge gegenüber den Frauen aufgrund ihrer natürlich-biologisch bedingten Wesensunterschiede und ihrer jeweiligen Individualität.
Es gilt hierbei das Prinzip der Ergänzung. Mann und Frau sind ebenbürtig, zwei Pole und zusammen ein Ganzes, wie das z.B in der Sure 2, 187 veranschaulicht ist mit dem Bild des Gewandes.

Aus allem ergibt sich, dass der Mann für das materielle Wohl der Familie die hauptsächliche Verantwortung trägt.  Von dieser Verpflichtung ist die Frau enthoben.

Einige Hadise dazu:

“Die schönste Wohltat eines Mannes ist seine Familie zu ernähren und sie zu versorgen.”

“Einem reicht als Sünde seine Familienangehörigen nicht in dem verpflichtenden Maße zu versorgen.”

Überliefert ist auch folgendes:

"Von einem Mann, der seine Frau und seine Kinder im Stich lässt und (vor ihnen) flieht, werden bis er zu ihnen zurückkommt weder seine Gebete noch sein Fasten von Gott angenommen. Desgleichen verhält es sich mit jemandem, der bei seiner Familie lebt und nicht den Rechten seiner Familienangehörigen nachkommt."

Weil der Mann deswegen und wegen seiner Pflicht als Beschützer und Interessenvertreter eine schwere Last zu tragen hat, resultiert ihm laut Koran (2, 228) ein gewisses Grad an Ansprüchen gegenüber der Frau. Und dies ist wie in unserer Sure 4, 34 angeführt, dass die Frau die Rechte ihres Mannes akzeptiert, d.h. das Vermögen des Mannes in seiner Abwesenheit und die Ehegeheimnisse wahrt.

Das ist es in aller Kürze. Es gibt keine engere Zuordnung von Aufgaben und Pflichten. Solidarität, gegenseitiges Einvernehmen  und gegenseitige Hilfe und Unterstützung in dem was jeder ist und kann und leisten vermag sind die Basis um das Zusammenleben harmonisch zu gestalten.

Was das Geldverdienen und Geschäfte betreiben usw. angeht ist es selbstverständlich, dass dem auch die Frauen nachgehen und nachgehen können. Was sie mit dem Geld machen, ist ihnen jedoch freigestellt.

Es ist eben auch so, dass die Frau in vielen Fällen aus wirtschaftlichen Gründen für den Unterhalt arbeiten muss, damit sich die Familie über Wasser halten kann, auch in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Das Alltagsleben muslimischer Frauen wird sich hier wohl kaum von dem anderer Frauen unterscheiden.

Überall auf der Welt, früher wie heute, besonders in der Landwirtschaft und auch in anderen Bereichen konnte und kann man nicht auf die Mitarbeit der Frauen verzichten. Im Zuge der Industrialisierung, der Verstädterung, des Wandels von der Groß- zur Kleinfamilie  hat sich dabei das äußere Bild geändert. Dass sich die Frauen hier einbringen, dafür muss man sie schätzen.

Sich bemühen Bildung zu erwerben, sollten die Frauen. “Wissenerwerben ist farz (Verpflichtung, koranisches Gebot) den Männern wie den Frauen. “ sagt Muhammed a.s.

Und was ihre Partizipation mit der Gesellschaft und Mitbestimmung betrifft, so steht dem nichts im Wege.

Eine islamische Weisheit besagt: Eine Nation entwickelt sich durch die Männer und erlangt die Reife durch die Frauen.

Wir sehen zwar, dass sich die Lebensbedingungen der Menschen ständig gewandelt haben, sie können auch heute von Ort zu Ort verschieden sein, aber der Mensch von gestern und der heutige Mensch ist gleich geblieben in Bezug auf seine Bedürfnisse. Jeder Mensch hat Bedürfnisse: soziale Bedürfnisse, Bedürfnis nach Anerkennung, Geborgenheit, sexuelle Bedürfnisse, für die man in einer Partnerschaft gegenseitig da ist. Man sucht für die alltäglichen Enttäuschungen, für Frust im Beruf, in der Gesellschaft den Ausgleich in der Partnerschaft und sicher ist, dass wir für unsere seelische Stabilität Familie und Partnerschaft brauchen.

Dabei ist es für alle vielfach nicht einfach immer konfliktfrei und verständnisvoll miteinander umzugehen. Mann und Frau, beide sind aufgefordert, für ein harmonisches, glückliches und friedliches Familienleben zu sorgen und für die gegenseitigen Bedürfnisse da zu sein.

An der Stelle sei  noch ein ergänzender Punkt erwähnt und ‘koranisch’ beleuchtet, der unser Thema am Rande berührt:

 

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5. Christlich-muslimische Ehen

Das Zusammenleben Angehöriger verschiedener Religionen bringt es mit sich, dass sich auch immer mehr christlich-muslimische Ehen und Partnerschaften zusammenfinden und geschossen werden. Das Maß des Koran bei der Heirat ist Glauben und Aufrichtigkeit. Das gilt für Frau und Mann in gleicher Weise. (vergl. Sure 2, 221)

In Anbetracht dessen ist es schön und positiv zu sehen und ein Zeichen guter Absicht, wenn sich heute Paare finden und sich auf Glauben und Religion besinnen. Menschen, denen Religion unwichtig ist, die nicht religiös oder atheistisch sind, werden sich sicherlich auch wenig Gedanken machen, wenn sie heiraten wollen, um das, was Religion dazu sagt. Oft ist es der Fall, dass gerade weil der Partner einer anderen Konfession oder Religion angehört, es ein Anstoß ist, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen und sich zu fragen, wo man in seiner eigenen Religion steht. So bringt das sicher einen Gewinn mit sich.

Über die, die gläubig sind und wer dazu gehört, sagt der Koran: 

 4,146-147: ...die an Gott festhalten und gegenüber Gott aufrichtig in ihrer Religion sind. Jene zählen zu den Gläubigen. Und Gott wird den Gläubigen einen großartigen Lohn zukommen lassen. Warum sollte Gott euch peinigen, wenn ihr dankbar und gläubig seid? Und Gott zeigt sich erkenntlich und weiß Bescheid.

5, 69: Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Sabier, und die Christen, all die, die an Gott und an den jüngsten Tag glauben und Gutes tun, haben nichts zu befürchten, und sie werden nicht traurig sein. ( auch Sure 2, 62)

An so vielen Stellen im Koran wird wie in diesen Versen auf die Aufrichtigkeit im Glauben zu Gott, im gute Werke tun, die Haltung der Gläubigen beschrieben, ob sie nun von sich sagen sie sind Christen oder ob sie einer anderen Religion angehören.

Christen gelten im Islam und laut Koran als Gottgläubige, und im Koran ist auch nirgends die Heirat mit Angehörigen der Buches untersagt.
In Sure 5, 5 ist sogar eine klare Erlaubnis erteilt christliche oder jüdische Frauen zu heiraten:

Heute sind euch die köstlichen Dinge erlaubt. Die Speise derer, denen das Buch zugekommen ist, ist euch erlaubt, und eure Speise ist ihnen erlaubt. Erlaubt sind euch die gläubigen Frauen und die Frauen aus den Reihen derer, denen vor euch das Buch zugekommen ist, wenn ihr ihnen ihre Heiratssteuer zukommen lasst und in Tugend die Ehe führt, indem ihr außereheliche Beziehungen und heimliche Liebschaften meidet. .... (Sure 5,5)

Es gibt keine Bedingung an die Frauen aus den Reihen derer, denen vor euch das Buch zugekommen ist, sondern nur die Bedingungen an den Mann ihre Rechte zu wahren, wie er sie auch gegenüber einer  muslimischen Frau gewähren müsste.

Obwohl über die Ehe mit Männern von Angehörigen des Buches nichts ausgesagt ist - nämlich weder erlaubt noch verboten - haben hier islamische Gelehrte den Schluss gezogen, muslimischen Frauen aus Gründen des Schutzes ihrer Rechte und ihrer Religion und der ihrer Kinder von Ehen mit christlichen oder jüdischen Männern abzuraten.  ....

Heute haben sich viele Einstellungen geändert, hin zu mehr Toleranz und persönlicher Freiheit.

Wenn der Mann nun Sicherheit für die Frau und eine aufgeklärte Erziehung für die Kinder garantiert, wie es laut Koran ein muslimischer Mann müsste, und  Toleranz und Akzeptanz aufbringt, könnte eine tolerante, harmonische, verlässliche Partnerschaft gelingen. Das wird aber sehr schwer sein.

Auf jeden Fall bedürfen solche Ehen mehr Geduld, Barmherzigkeit und Wohlwollen.

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6. Schlussbemerkungen

Abschließend zum Thema ‘Leben und Glauben der Muslima’ möchte ich noch sagen: Im Islam gilt das Prinzip der gegenseitigen Beratung ...  “... für die, die glauben und ....  die ihre Angelegenheiten durch Beratung regeln ...” Sure 42, 38

Das fängt nun mal an bei der kleinsten Einheit einer Gesellschaft und das ist die Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Zum anderen, wenn die Empfehlungen im Verhalten gegenüber anderen muslimischen Geschwistern wie folgt lauten:

„Wenn ein Mensch mit Freude und Sympathie seinen Geschwistern (im Glauben) begegnet, ist es besser als ein Jahr Itikaf (= ein Jahr in Askese verbringen)." [Muhtarul Ehadis]

„Einen Glaubensbruder oder Schwester anlächeln ist Sadaka.(= wohlgefällige Tat für Gott)"    [Buchari]

wie stark müssen sie dann erst für die Familienmitglieder gelten.

Die Aussagen sind nicht nur auf das Diesseits gerichtet, sondern mit Blick auf das Jenseits. Ein Hadis besagt: „Gott lässt jeden mit denjenigen auferstehen, mit denen er am liebsten zusammen war." (Münavi, Kenzil Irfan)

Geduld miteinander zu haben fällt auch leichter, wenn man darum weiß, dass unser Tun und gutes Bemühen Ewigkeitswert erlangt und bei Gott immer Anerkennung findet. Im Paradies werden die negativen, unbeliebten Eigenschaften des Partners zum Guten gewandelt sein. Im ewigen Leben wird man aneinander unendliche Freude haben.

Der Mensch lässt sich nicht nur auf diesseitige Aspekte seines Lebens reduzieren. Er braucht für seine innere Ruhe und Harmonie und wegen seiner unendlichen Wünsche und Begehren Ideale und Ziele, die der Natur seiner Seele entsprechen.  

zusammengestellt von

Dipl. Ing. Cäcilia Demir-Schmitt
RG des Islam LV BaWü (e.V.)

 

Literaturverweise:

Kur’ân-i Kerim’in Açiklamali Türkçe Meali, İhsan Atasoy, Ümit Şimşek, Mehmed Paksu, Cemal Uşşak, İstanbul
Kur’ân-i Kerim ve Yüce Meâli, Prof. Dr. Süleyman Ateş  
1500 Hadisle Peygamber Yolu, Cemal Uşşak, İstanbul
Hz. Peygamerin Sünnetinde Terbiye, Doq. Dr. İbrahim Canan, Ankara
Kadinlara Hürmet Genqliiwin El Kitabı, Zubeyir Gündüzalp, İstanbul

 

 
 
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